Camerock III
Aufgrund der guten Erfahrungen mit der Camerock 2 wollte ich eine größere Kamera-Rakete bauen, die höher als 1000 m fliegen sollte. Außerdem sollte die in einen kleinen Sateliten (Cansat) eingebaut werden. Der Satelit soll am Gipfelpunkt ausgestoßen werden und an einem Schirm langsam zur Erde sinken. Die Kamera ist eine digitale Videokamera von Medion, die sehr klein und leicht ist aber über eine Stunde auf eine SD-Card aufnehmen kann.
Flug auf einem I300T beim RJD 2008 (Fotos von Andreas Hader)
Länge: 180 cm
Durchmesser: 10 cm
Gewicht: Sehr leichte 1048 Gramm (Ohne Cansat/Kamera).
Download Rocksim File
Da ich gerade eine Form für Spitzen gebaut hatte lag es nahe, aus 2 Spitzen eine neue Rakete zu bauen.
Das Design sollte so aussehen:

Also laminierte ich 2 neue 10cm-Spitzen in meine Form:
Dann fertigte ich ein 50 mm GFK-Rohr, als Kern nahm ich ein 50 mm HT-Rohr, und legte da Backpapier auf. Dann folgten 5 Schichten 160 g-Gewebe und zum Schluss wurde das ganze mit Schrumpfschlauch verpresst.
Die Rakete sollte 6 Fins bekommen, die machte ich wie bisher aus Sperrholz mit Glasfaserverstärkung. Die Ausrichtung war aber ein Problem: Wie bekommt man 6 Fins exakt gerade an ein dünnes Rohr?
Zuerst musste das Rohr geschlitzt werden:
Ich lege dazu das Rohr auf eine gerade Fläche. Dann spanne ich meinen Dremel in einen Dremel-Bohrständer, und lege eine Diamant-Trennscheibe ein. Den ganzen Bohrständer schiebe ich jetzt an das Rohr entlang und erhalte so exakt gerade Schnitte für die Fins.
Ich hatte für die Ausrichtung eine einfache Idee: Ich zeichnete die Fins mit einer CAD-Software auf Papier. Die Konturen schnitt ich dann exakt aus. Zwei dieser Blätter klebte ich an den Ecken zusammen und schob das ganze über das Rohr.
Dann konnte ich die Fins einschieben, und sie waren gleich exakt ausgerichtet! So muss man ncihts festhalten oder festklemmen. Supereinfach.
Die Schablonen halten alles zusammen:
Zunächst klebte ich die Fins mit Sekundenkleber an das Motorrohr.
Um dann die Lücke zwischen Motorrohr und Körperrohr mit einer Mischung aus Glasfaserflocken und Epoxy aufzufüllen. Das Epoxy floss aus der kleinsten Ritze heraus, also musste ich alles abkleben. Nach dem Aushärten und entfernen der Klebebänder war es bombenfest, von außen aber glatt, ich wollte keine Fillets an den Fins haben.
Jetzt wurde eine der Spitzen gekürzt um eine Verjüngung zu formen. Die Verjüngung wurde auf das Körperrohr geschoben und verklebt. Vorher wurde noch ein Spant auf das Rohr geklebt und mit 2 Haken versehen, die das Schockcord aufnehmen sollten.
Dann wurde das obere Rohr und die Spitze angepasst:
Sah schon ganz gut aus, nur noch ohne Farbe. Zuerst wurde das GFK-Rohr mit Porenfüller behandelt, denn das Rohr hatte leider viele kleine Mikroporen:
Schwer zu sehen: Alle Poren sind gefüllt.
Als nächstes folgte Spritzspachtel und schleifen, schleifen, schleifen....
Dann wurde die gesamte Rakete rot gespritzt, dann abgeklebt und schwarz gespritzt. Am Ende war das Modell in den Grundzügen fertig:

Dann wurden die Decals gemacht, wie bisher mit dem Decal Pro System von Pulsar:
Zuerst wird das Motiv in schwarz auf spezielles Papier gedruckt, das geht nur mit Laserdrucker:
Nach dem Trocknen des Papiers wird es mit silberner Folie beschichtet. Diese Folien gibt es in verschiedenen Farben. Das Papier wird mit der Folie abgedeckt und durch den Laminator geschoben.
Nach dem Abkühlen zieht man die Folie ab, da wo vorher Toner war bleibt die Folie zurück.
Dann nimmt man ein Stück Mylar-Folie und putzt es sehr gründlich mit Nitroverdünnung (Stinkt!)
Das legt man auf das mit Folie beschichtete Papier und laminiert es. Das Ergebnis ist ein Paket mit Papier, Silberfolie und Mylar. Das Mylar haftet nur sehr sehr schwach, man sollte es sehr vorsichtig behandeln. Das ganze gibt man in eine Schüssel mit Wasser. Die Beschichtung des Papiers löst sich nun auf und gibt die Buchstaben frei. Diese haften am Mylar und können so dem Wasser entnommen werden:
Die Mylarfolie mit dem Decal trocknet man mit Küchenpapier und besprüht es mit einem speziellen Kleber. Dann kann man es auf das Modell reiben und die Mylarfolie abziehen:
Übrig bleibt das Decal, extrem dünn und kaum fühlbar!
Nach dem Überlackieren mit 2K-Autolack siehts super aus:
ELEKTRONIK
Die Camerock III wird mit einem DMAG ausgestattet, eine Magnetische Gipfelpunkt Erkennung.
Die Elektronik wurde dazu auf einem Träger angebaut, diese lässt sich in die Spitze einschrauben:
DMAG mit Akku:
Dieser DMAG ist eine Weiterentwicklung von mir, das Original ist größer und benötigt mehr Bauteile. Dieses ist einfacher aufzubauen.
Auf der anderen Seite ist eine Möglichkeit vorhanden einen SALT Micro Höhenmesser einzubauen, dieser wird benutzt um die erreichte Höhe zu messen. Praktischerweise kann ich das Modul des Camerock II direkt einbauen.
Das ganze Teil passt in die Spitze, nur 2 Schräubchen genügen für die Montage.
Im unteren Teil befindet sich noch eine Elektronikeinheit, diese nimmt eine Kamera auf sowie eine selbst entwickelte Bergungselektronik. Diese löst nach einer gewissen Zeit ein Servo aus, welcher den Hauptschirm freigibt. Die Elektronik besitzt auch einen Drucksensor, der Testweise mitfliegt. Damit soll die Funktion der Schaltung getestet werden, nach dem Flug werden die Daten ausgelesen und mit den Aufzeichnungen des Salt Micros in der Spitze verglichen. Sollte alles wie geplant funktionieren wird auf der Basis eine neue Bergungselektronik entwickelt, die Timer, Höhenmessung, Beschleunigungsmessung sowie Magnetische Gipfelpunkterkennung in einem Gerät bieten soll. Dazu aber später mehr....
In der unteren Sektion sieht man links die neue Elektronik, die beim Flug noch als Timer dient, aber die Höhe bereits aufzeichnen kann. Daneben sieht man den Camcorder.
Oben befindet sich der Ladungsbecher, der wird aber noch nicht benutzt. Außerdem ist dort die Auslösevorrichtung für den Hauptschirm. Das Servo zieht einen Stift und gibt so den Hauptschirm frei, also eine serielle zweistufige Bergung.
Fertig gestellt sieht sie nun so aus:
Für den Transport habe ich eine kleine Kiste gezimmert, da passt alles hinein.
Hier ein Foto vom dritten Flug auf einem I300T, Flughöhe: 952 m!

Nach der Landung: Die $#!@#* Kamera hat sich schon wieder abgeschaltet beim Start: Kein Film

So sieht das vor einem Flug aus.....

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